Die richtigen Worte…

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Im Oktober 2016 war es soweit: Die Übersetzung der Offenbarung war von den Saliba-Übersetzern in Papua-Neuguinea mehrmals überarbeitet worden. Nun wollte ich sie mit einigen Teammitgliedern nochmals genau durchlesen, bevor das Buch in einem der Dörfer auf Verständlichkeit geprüft werden sollte. Meine Aufgabe war, sicherzustellen, dass der Text vollständig und auch richtig übersetzt war.

Das Übersetzungsteam in Papua-Neuguinea
Das Saliba-Übersetzungsteam in Papua-Neuguinea

An vier Stellen in der Offenbarung ging es auch um die Begriffe „Zauberer“ bzw. „Zauberei“. In den ersten Versionen hatten die Übersetzer den Begriff „Machenschaften der Dunkelheit“ (masigili kabikabidi) dafür verwendet. Beim Überprüfen waren diesmal auch andere Mitarbeiter dabei, und einer sagte, dass dieser Ausdruck nicht klar sei. Wir sollten besser laukukula­­ verwenden. Die anderen stimmten sofort zu. Ich versuchte zu sagen, dass dieser Begriff sich nur auf Wortzauber beziehe und daher zu eng gefasst sei. Es gäbe viele Arten von Zauberei und wir müssten einen Überbegriff nehmen, der alle Formen abdeckt. Da stieß ich auf Widerstand. In der nachfolgenden Diskussion stellte sich heraus, dass in den englischen Übersetzungen, die unsere Saliba-Mitarbeiter verwendeten, „magic spells“ stand. Das kann man tatsächlich mit „Wortzauber“ übersetzen. Meine Mitarbeiter erklärten mir, laukukula­­ sei in Ordnung, und es gebe keinen übergeordneten oder besseren Begriff. Ich ließ die Sache erst einmal auf sich beruhen.

Am Ende des Arbeitstages schaute ich die betreffenden Bibelstellen und auch den verwendeten Begriff im ­griechischen Urtext nochmals genauer an. Mir war klar, dass es zu wenig war zu sagen, dass nur jemand, der Wortzauber betreibt, nicht ins Reich Gottes kommen kann – es würde heißen, dass alle anderen Arten von Zauberei in Gottes Augen okay wären.

Am nächsten Tag griff ich das Thema nochmals auf. Wieder stieß ich auf heftigen Widerstand und die stereo­type ­Antwort lautete: „Es gibt keinen Begriff, der alle Bereiche abdeckt.“ Ich war leicht verzweifelt, wusste aber, dass noch zwei weitere Stellen zu diesem Thema kommen würden, und bat Gott, mir zu helfen, beim nächsten Mal die richtigen Fragen zu stellen.

Dann hatte ich eine Idee. Bei der dritten Stelle über Zauberei fragte ich, wer denn alles laukukula mache. Die Antworten kamen ohne zögern: „Alle Saliba! Wir verwenden laukukula im täglichen Leben: für einen guten Ertrag in unseren Gärten, beim Fischfang, wenn sich jemand in mich verlieben soll, usw.“ Meine nächste Frage war, ob die tautaubalau (die gefürchteten männlichen Zauberer) auch laukukula machen würden. „Oh ja!“, lautete die Antwort. „Ist das alles, was sie machen?“, fragte ich. „Nein! Sie können noch ganz andere Arten von Zauberei.“

Dann fragte ich, ob die taukalakalawai (die weiblichen Zauberer) ebenfalls laukukula verwenden. „Oh ja!“ Wieder fragte ich: „Ist das alles, was sie machen?“ „Oh nein, sie verwenden auch noch andere Arten von Zauberei.“

Dann meinte plötzlich einer der Saliba-Mitarbeiter: „Dann verwenden wir am besten taubalau yo kalawai kabikabidi (die Machenschaften der männlichen und weiblichen Zauberer), damit haben wir alle Arten von Zauberei abgedeckt.“ Ich dankte Gott für diese etwas überraschende, aber doch sehr einfache Lösung.

– von Sabine Oetzel

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